Manche Dinge kann man halt nicht kaufen



Zu Hause merken, dass man von allem die Doppelbettwäscheversion gekauft hat: unbezahlbar.
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Deppencard





Am 12.02. war es endlich soweit: der Schnaps aus Deutschland wurde geliefert! Nein, natürlich war es soweit, dass die Julia mich endlich besuchen kam und unter anderem hatte sie halt so einige Annehmlichkeiten eingepackt - Laptop, Schnaps und Wein. Doch so einfach, wie es klingt, gestaltete sich die ganze Geschichte nicht. Schon in Deutschland fing der Ärger des 12.02. - welcher Depp hat behauptet die 13 wäre eine Unglückszahl - an: die Bahn wollte nicht fahren. So stand also die kleine Julia, mehr oder weniger verloren und ratlos am Greifswalder Hauptbahnhof und hörte die Durchsage: Der Zugverkehr zwischen Stralsund und Berlin wird bis auf weiteres eingestellt. Doch die Julia hatte Glück im Unglück, denn Thomas war gerade zu Besuch, der sich großzügig dazu bereit erklärte Julia nach Berlin zu fahren, damit sie die Maschine von Norwegian besteigen konnte.
Wer jetzt denkt, dass die beiden in einem Affenzahn über zugeschneite Autobahnen gerast sind, um gerade rechtzeitig und in allerletzte Sekunde Julias Gepäck aufzugeben - der irrt. Denn Thomas’ Bus mag mit einigen Annehmlichkeiten gesegnet sein - Herdplatte, Wassertank, Schlafmöglichkeit, Küchenrollenhalter - bloß nicht mit einem zuverlässigen, geschweige denn schnellen Motor. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 90 km/h (freie Autobahn + bergab) tuckerten die beiden Hanebuths gen Berlin und Thomas setzte Julia um 10.45 in Berlin Schönefeld ab - genau 2 Stunden bevor die Maschine abheben sollte.
Julia checkte ein, flog los und so weiter und so fort. Inzwischen hatte ich meine Beziehungen spielen lassen und Torge - ein Freund - fuhr mich zum Bergener Flughafen, da ich ansonsten inkl. Julia 30€ für die Flybussen, die Airport Shuttles hier in Bergen, hätte berappen müssen. Ein Blick auf die Ankunfstafel verriet mir, dass Julias Flug zu früh ankommen würde - 14.33 statt 14.45 - doch ein Organisationstalent wie mich kann so etwas natürlich nicht erschüttern und ich war ebenfalls überpünktlich. Ich wartete mit einem Schild auf dem “HANEBUTH” stand also vor dem Ausgang der internationalen Flüge und konnte kurz nach 3 meine Freundin in die Arme schließen. Eine der ersten Sachen, die Julia in Norwegen erledigte, war natürlich ein Gang zur Toilette. Eigentlich nicht weiter erwähnenswert, aber für den späteren Verlauf dieses Eintrags und für den unseres späteren Tages überaus bedeutsam.
Wir fuhren also nach Fantoft. Julia kam im Zimmer an, war positiv überrascht (sowohl von der Einrichtung, als auch der Tatsache, dass ich extra für sie aufgeräumt und geputzt hatte), nachdem sie nach dem Anblick des Treppenhauses ein wenig schockiert war. Der Plan war etwas zu essen, zu IKEA zu fahren und dann einzukaufen. Doch in diesem Moment schaute Julia mich mit aufgerissenen Augen an, fasste an ihre Hand und sagte eher leise: Scheiße! Auf Nachfrage meinerseits eröffnete sie mir, dass sie ihren Ring (ein Jahrestagsgeschenk, das ich ihr in der 12. Klasse in Norwegen gemacht hatte) in der Toilette am Flughafen liegen gelassen hatte. Ich bin also wieder rüber zu Torge, hab beim Flughafen angerufen und den Verlust gemeldet und der nette Herr am anderen Ende der Leitung versicherte mir, dass jemand nach dem Ring suchen würde. Circa eine halbe Stunde später wurde Torge auf seinem Handy angerufen - ich hatte seine Nummer als Kontaktaddresse hinterlassen - und ihm wurde mitgeteilt, dass kein Ring gefunden worden wäre. Zu diesem Zeitpunkt saß Torge gerade in seiner Küche und wollte erst einmal aufessen, bevor er uns die schlechte Nachricht überbracht hätte - eine glückliche Fügung, die uns viel Leid erspart hat. Bereits 5 Minuten später wurde Torge erneut auf seinem Mobiltelefon angerufen: der Ring war gefunden worden und lag zur Abholung bereit. Als Torge uns die Nachricht überbrachte waren wir natürlich überglücklich und um das für das Tüpfelchen auf dem I zu sorgen sagte Torge uns, dass er uns gerne noch einmal zum Flughafen fährt.
Hingefahren, Ring geholt und auf dem Rückweg schnell einkaufen gewesen.
Am Ende des Tages hatte Julia ihren Ring wieder, Torge sich ein Dankes-Sixpack verdient (hört sich wenig an, ist in Norwegen aber eine Sache, die oft als Mitgift gegeben wird) und ich musste die erste Nacht mit einer überaus dünnen Decke schlafen, weil wir es natürlich nicht mehr zu IKEA geschafft hatten. Und in der Nacht dachte ich immer wieder an den Herrn der Ringe, ich weiß auch nicht so recht warum:

Ich weiß, ich hätte früher schreiben sollen. Es tut mir leid. Ich werde innerhalb der nächsten Tage soviele Einträge wie möglich nachholen. Es ist auch einiges passiert, welches des Berichtens wert ist.

oder 477 Höhenmeter voller Leid.
Am 3.02.2010 konnte ich weitere Nahtoderfahrungen in die schier endlose Kette einreihen. Am Dienstagabend hatte Betti mich und Sebastian ganz locker gefragt, ob wir nicht auch Lust hätten den Løvstakken “heraufzuwandern”. In meinem jugendlichen Leichtsinn sagte ich natürlich zu. Der Løvstakken ist der Berg, den ich von meinem Fenster aus bewundern kann und der durch 2 mastähnliche Dinger auch in der Nacht zu erkennen ist. Er ist rund 50 Meter höher als der von mir bereits bezwungene Fløyen a. Also brachen wir um 11 auf. Wir war eine Gruppe aus ca. 9 Leuten, eine genauere Angabe ist mir nicht möglich, weil gefühlte 95% der Gruppe immer vorliefen und ich ihre Rücken nur aus der Ferne sehen konnte, die sich frohen Mutes auf den Weg zum Berg machte. 
Schon als wir den Fuß des Berges erreicht hatten war mir klar, dass es diesmal nicht so ein Spaziergang wie auf den Fløyen werden würde. Anscheinend hatte niemand der Person, die den Weg “angelegt” hatte gesagt, dass es ratsam ist, wenn man auf einen Berg möchte, nicht einfach stumpf geradeaus und nach oben zu latschen, sondern zu meandrieren. Die selbsterwählte Leiterin der Gruppe, eine Tschechin, die soweit ich mir ein Bild über die Situation gemacht habe früher Mitglied der Bergjäger gewesen sein muss, legte ein Tempo vor, dass so gut wie alle Deutschen aus der Puste brachte und einen ganz besonders - mich. Dabei wurde von der Gruppe eine Grundregel konsequent missachtet: wenn eine Pause gemacht wird, bestimmt der letzte, der dazu gekommen ist, wie lange diese Pause dauert. Bei der Bezwingung des Løvstakken hingegen war die Regel: die Pause endet, wenn der dicke Deutsche beim Rest der Gruppe angekommen ist. Meine Stimmung erreichte ihren Tiefpunkt, als ein ca. 55-jähriger Norweger an mir vorbei den Berg hinunter joggte und mir im Vorrübereilen zurief: “Only 10 minutes left until you’ll reach the top!” Nicht die etwas schamvolle Demütigung, die ich auf Grund der Tatsache verspürte, verursachte dieses Stimmungstief, sondern der Anblick, der sich nach der nächsten Biegung bot: wenn ich dafür 10 Minuten brauchen sollte, würde ich einen Helikopter benötigen.
Endlich angekommen wurde ich reich für meine Anstrengungen belohnt. Zwar war ich schweißgetränkt, doch der Ausblick den ich von Løvstakken hatte, war ungefähr 13,8mal so gut wie der vom Fløyen .
(die Bilder mal wieder anklicken, um sie in größerer Auflösung zu sehen)
Der Weg nach unten war zwar in gewisser Weise besser, weil es nicht ganz so anstrengend war, auf der anderen Seite aber auch schlechter, weil ich gefühlte 100 Mal, reale 12 Mal hingeflogen bin. Ganz klar auf der Habenseite des Abstiegs stehen aber die Passagen, die ich auf einer Plastiktüte den Berg hinunter rodeln konnte. Man glaubt kaum wie schnell man auf einer Safaritüte werden kann. Leider war danach meine Hose ziemlich durchgenässt, was dazu führte, dass ich den Rest der Strecke mit einer teilweise gefrorenen Boxershorts zurücklegen musste.
Nach dem Ankommen in Fantoft und einer heißen Dusche, blieben mir ausser einem Muskelkater in ALLEN mir bekannten und zuvor unbekannten Muskeln meines Körpers auch noch atemberaubende Fotos und das wohlige Gefühl, dass ich auch den Løvstakken bezwungen habe.
Das Glück ist mir hold. Seit gestern früh meldet mein Laptop wenn ich ihn hochfahren will “A read disk error occurred.” und sagt mir, ich soll neustarten. Zwei Daumen hoch für kaputte Laptops … NICHT

und ich antwortete ihm.
Gestern bin ich zusammen mit 8 Mitstreitern den Fløyen hinaufgewandert. 399m voll Schnee, Eis und verrückten Norwegern, die im Affenzahn auf Schlitten den Berg hinunterbrettern. Der Aufstieg dauerte ca. 1,5 Stunden. Schon der Weg hinauf war ein Erlebnis, aber der Ausblick, der uns dann oben geboten wurde toppt alles, was ich bis jetzt landschaftlich gesehen habe. Links der 600m hohe Ulriken, vor uns die Stadt Bergen und rechts das Meer, dass sich schon hinter einem kleineren Berg erstreckt: einfach toll. Der Abstieg war zwar nicht ganz so anstrengend, dafür aber etwas rutschiger. Macht euch am besten selber ein Bild bzw. schaut euch die an, die ich hochlade. (Bilder anklicken, um eine vergrößerte Version zu sehen)

In der Nacht vom 6. auf den 7. Januar gab es bei uns im Fantofter C-Block einen Feueralarm. Er riss mich mehr als überraschend aus meinem Tiefschlaf. Ich griff nach meinem Handy und es dauerte eine Weile bis ich bemerkte, dass es nicht mein Wecker gewesen war, der mich so unsanft geweckt hatte. Ich zog mir schnell einen Pulli und Schuhe an und schwankte schlaftrunken auf den Flur. Mehrere Studenten aus der Nachbar-WG standen ebenfalls auf ihrem Flur, welcher durch eine Glastür von unserem Flur getrennt ist. Die Hälfte winkte sofort ab und zog sich in ihre Zimmer zurück, wobei sie etwas von ‘alway false alarms’ murmelten. Die ‘Neuen’ standen etwas unentschlossen in der Gegend rum. Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass anscheinend niemand den Alarm wirklich ernst nahm, denn auf dem Parkplatz, dem Sammelpunkt für den Brandfall, stand gerade mal ein frierendes Mädel. Ich schaute einmal die beiden Treppenhäuser auf und ab, doch nichts regte sich. Nach einer halben Stunde ohrenbetäubenden Alarmgeschrills war der Spuk dann vorbei. Alle die es noch nicht getan hatten zogen sich auf ihre Zimmer zurück.
Ich bin schon ein Teufelskerl. Wieder einmal dem Tod von der Schippe gesprungen!


wird endlich gut. Ich bin in Bergen, habe mein Zimmer bezogen und auch einen funktionierenden Internetzugang. Weil ich am Tag meiner Ankunft ja nicht posten konnte und ich gestern irgendwann keine Lust mehr hatte, mich mit den Fotos rumzuschlagen, liefere ich erstmal den Eintrag nach.
Natürlich bin ich heute viel zu früh in Begleitung der drei Fintelerinnen (Drei Engel für Mathias) in Hamburg angekommen. 75% des Lufthansabodenpersonals war sehr freundlich zu mir und half mir gerne weiter. Das Aufgeben des Gepäcks war kein Problem – 19,6 Kilo die geradezu meisterhaft von Julia in den Koffer gezwängt worden waren. Die Handgepäckkontrolle winkte mich erstmal raus, weil ich natürlich vergessen hatte, meinen Gürtel abzunehmen. Der Flug verlief ebenfalls reibungslos. Die Lufthansaleute machen leckere Brötchen, die es mit einem angenehm heißen Kaffee gibt. Der Anblick des immer noch im Dunkeln liegenden Hamburgs war atemberaubend und ich könnte mich dafür ohrfeigen, dass ich die Kamera oben in meinem Rucksack hatte und keine Fotos machen konnte. Als wir dann in den Landeanflug gingen erstreckte sich das verschneite Oslo unter mir. Wahrscheinlich lebt hier in der Nähe der Weihnachtsmann. Von irgendwas muss der ja auch leben, ich glaube kaum, dass ein Tag Arbeit im Jahr ausreichen um über die Runden zu kommen. Wegen der notwendigen Enteisung unseres Flugzeugs hoben wir später ab (ca. 10 Minuten) machten aber später wieder Zeit gut, so dass wir mit nur 5 Minuten Verspätung landeten.
In Oslo waren 100% des Bodenpersonals sehr hilfsbereit (Tja, unfreundliche Lufthansa-Check-In-Frau, das tut weh wenn man das hört, oder? Du hast den Schnitt versaut!). Diesmal ging ich schon routinierter an die Handgepäckkontrolle und legte alle meine am Leib getragene Habe, bis auf die Sachen die ich trug, in die 3 unterschiedlichfarbigen Kästchen (als einziger in der Reihe wie mir danach auffiel, aber Ordnung muss sein). Meine Bemühungen waren erfolgreich, man ließ mich ohne Probleme passieren.
So sitze ich nun hier an Gate 19, es ist halb 10 ich und warte auf das Boarding von SK259. Laut Anzeige ist es im Moment in Bergen -5°C kalt und es schneit. Diesmal habe ich leider einen Gangplatz, was wiederum das Nachholen von spektakulären Luftaufnahmen verhindern wird. Ich hoffe, dass ich für den Rückflug Fensterplätze bekomme und ich so wenigstens einige Schnappschüsse aus der Höhe machen kann.
Leider habe ich hier am Flughafen kein Internet, weswegen dieser Eintrag erst in Bergen online gehen wird. Dann werde ich einen Vergleich zwischen Soll (-5°C, Schnee) und Ist anstellen.
Was für ein Tag! Es ist jetzt 22:30 und ich bin vollkommen fertig. Mein Flug nach Bergen verlief problemlos und ich konnte trotz Gangplatz die wunderschöne Kulisse bewundern. Bergplateaus, die die Wolkendecke durchbrechen, haben schon was. Nach dem Landen ging es dann mit einem der ‘Flybussen’ zur zentralen Busstation im Herzen der Stadt. Dort angekommen begab ich mich zum Informationsstand, der extra für internationale Studenten aufgebaut wurde. Dort teilte man mir mit, dass ich zum Student-irgendwas-dazwischen-Centre gehen müsste, um dort meine Schlüssel zu erhalten und den Mietvertrag zu unterschreiben. Die nette Studentin die mir das erzählte riet mir auf Grund des Schnees, meine Sachen im Busbahnhof einzuschließen. Als ich jedoch sah, dass der ganze Spaß 50 Kronen kosten sollte, entschied ich mich dagegen. Als ich die Busstation verließ, wurde mir bald klar, warum Bergen Bergen heißt. Wahrscheinlich haben die Einwohner damals zwischen ‘Boah-scheiße-hier-gehts-dauernd-auf-und-ab-und-es-ist-super-anstrengend-was-zu-tragen-besonders-wenn-es-verschneit-ist’ und ‘Bergen’ geschwankt
und sich dann aus Tourismusgründen für das letztere entschieden. Die Norweger und die Deutschen scheinen sich doch relativ ähnlich zu sein, jedenfalls musste ich eine Nummer ziehen und warten bis ich aufgerufen wurde, um im Student-irgendwas-dazwischen-Centre bedient zu werden. Der Mann der mich bediente war sehr freundlich. Er händigte mir meine Schlüssel, die Waschkarte sowie den Mietvertrag aus und erklärte mir das weitere Prozedere. Es war also an der Zeit, sich wieder auf den Rückweg zur Busstation zu machen. Zu diesem Zeitpunkt brachten meine Arme mich fast um. Es war nicht nur die Steigung, die permanent überwunden werden musste, sondern auch die Tatsache, dass die Gehwege so gut wie gar nicht geräumt waren, was dazu führte, dass ich den Koffer 75% der Zeit nicht hinter mir herziehen konnte, sondern tragen musste (Beweise in Bildform folgen, sobald meine Kamera wieder Saft hat und ich in der Nähe bin). Mit 25 cm längeren Armen kam ich also zum zweiten Mal an der Busstation an.
Mein nächstes Ziel war das Kaufen einer Studentenmonatskarte. Auch hier gab es das Nummer-zieh-und-Warten-Prinzip. Eine riesige Menschentraube hatte sich schon vor den 4 offenen Schaltern gebildet und ließ mich Böses ahnen. Ich zog meine Nummer und ergatterte die 598. Im Moment des Ziehens wurde die 523 bedient. 75 Leute vor mir… das schien etwas länger zu dauern. Insgesamt verbrachte ich eine gute Stunde damit, auf die Karte zu warten, die es mir erlaubt, alle Busse in Bergen zu nutzen.
Ich fuhr nach Fantoft, meinem Zuhause für 3 Monate. Als ich ankam (inzwischen war es ungefähr 15:30) musste ich erstmal wieder meinen Koffer einen Berg hoch- und dann bis zur Tür des C-Blocks schleppen, weil der Schnee nicht geräumt worden war. Als ich den Flur betrat bestätigte sich ein Verdacht: Fantoft ist von innen genauso hübsch wie von außen. Ich blickte nach links auf den Fahrstuhl, der keine Etage anzeigte und befürchtete das Schlimmste. Ich drückte den Knopf… nichts tat sich… ich drückte nochmal… kein Ergebnis. In diesem Moment betrat ein norwegischer Student den C-Block. Er sagte mir, dass der Fahrstuhl schon länger außer Betrieb sei, es aber am Ende des Ganges, also auf der anderen Seite des Gebäudes noch einen weiteren, intakten Fahrstuhl gäbe. Also hatte ich Glück und musste also doch nicht die Koffer in den 7. Stock hinaufhieven.
Mein Zimmer macht zwar einen etwas abgelebten Eindruck, ist sonst aber vollkommen in Ordnung. Ich habe mein eigenes kleines Bad mit Dusche, ein Bett mit dicker Matratze (keine Selbstverständlichkeit, wie sich im Gespräch mit anderen Studenten zeigte), zwei große Schränke, einen großen Schreibtisch, einen Abenteuerstuhl (Deswegen Abenteuer, weil er immer ganz doll wackelt, wenn man, oder besser gesagt ich, darauf sitzt und versucht durchzubrechen, was man nur geschickte Gewichtsverlagerung verhindern kann. Ein toller Spaß für die ganze übergewichtige Familie.), einen Sessel den ich noch nicht ausprobiert habe, eine Bank die sich zum Besucherbett ausziehen lässt, und natürlich mein Bett. Ich räumte erst einmal meinen Koffer und den Rucksack aus, um an meine Schneestiefel zu kommen. Die Winterstiefel die ich trug waren schon vollkommen aufgeweicht. Ich deponierte meine Medikamente im Kühlschrank und versah sie mit einem Zettel, der Auskunft darüber gibt, wem sie gehören, dass sie keine berauschende Wirkung haben und sie bitte niemand klauen soll. Ich klopfte einmal überall um mich vorzustellen, traf jedoch nur eine Mitbewohnerin an: Camilla. Ich unterhielt mir kurz mit ihr und wollte mich dann auf den Weg zum IKEA machen, um mir ein Kissen, eine Decke und vielleicht ein paar Köttbullar zu kaufen. Noch auf meiner Etage traf ich zwei weitere internationale Studentinnen, die auch gerade erst heute angekommen sind. Zusammen fuhren wir in die Stadt, wo sich unsere Wege trennten, weil die beiden noch etwas wegen ihrer Zimmer klären wollten.
An dieser Stelle möchte ich ein Wort über das Bergener Bussystem verlieren. Die Bergener Busstationen haben Namen, die jedoch von außen nicht zu erkennen sind, sondern nur auf den winzig kleinen Busfahrplänen stehen. Weiterhin werden die Stationen nicht vom Busfahrer o.Ä. angesagt, was bedeutet, dass ich jedes Mal, wenn ich irgendwo hin wollte, den Busfahrer bitten musste, mir Bescheid zu geben, wenn wir da waren. Ein tolles System, so haben die Leute wenigstens immer einen Grund miteinander zu reden.
Im IKEA musste ich feststellen, dass die exorbitanten Preisunterschiede von Norwegen zu Deutschland auch vor den Köttbullarn nicht halt machten, die in der Mediumversion 69,- Kronen kosteten, was umgerechnet ca.8 € sind. Bei meiner Tour durch den IKEA traf ich noch 2 weitere deutsche Austauschstudenten, die aber nicht an der Universität Bergen zu Gast sind, sondern an der Bergener Wirtschaftshochschule. Nachdem ich mir GOSA VÄDD und MYSA STRA gekauft hatte ging es zurück nach Fantoft. Dort kaufte ich noch kurz das Nötigste im nahe gelegenen SAFARI-Supermarket ein (Brot, Käse, Margarine) und ging zurück auf meine Etage. Hier traf ich nun eine weitere Mitbewohnerin: Marlene, die ebenfalls aus Deutschland kommt.
Nachdem ich meine Sachen ordentlich ausgeräumt und das Bett bezogen hatte, setzte ich mich in die Küche, aß (die letzte Mahlzeit war immerhin schon über 12 Stunden her) und plauderte noch ein wenig mit Marlene, meiner Mitbewohnerin, die Psychologie in Bielefeld studiert.
Das war er also, mein erster Tag in Bergen. Anstrengend, aber verwirrend könnte man ihn nennen. Wahrscheinlich habe ich morgen Muskelkater in meinen Armen, aber dafür muss ich nur noch Kleinigkeiten einkaufen und kann den restlichen Tag die Stadt erkunden. Internet wird es leider erst übermorgen geben, was logischerweise auch bedeutet, dass dieser Eintrag erst übermorgen online gehen kann, datiert ihn im Kopf einfach zurück und schon ist das Problem gelöst. Jetzt werde ich erstmal lange schlafen.

wäre es wohl dieses:
Der heiß ersehnte Letter of Acceptance ist endlich eingetrudelt und nun heißt es: Norwegen ich komme. Im Moment schaue ich mit Julia nach Flügen und studiere die Prospekte, die die Uni mir geschickt hat. Da sind zu einem Viertel Fjordfahrten drin, die ich nicht machen kann, weil sie im Winter nicht angeboten werden, zum anderen Viertel wirklich tolle Sachen wie das Vilvite Bergen Science Centre (sowas wie das Universum in Bremen) und zur Hälfte Restaurants/Fast-Food-Schuppen usw. Jetzt kann ich mich auch endlich wirklich auf meinen Auslandsaufenthalt freuen. Auch auf dem Flugmarkt sieht es relativ günstig aus. Hin- und Rückflug sind im Paket schon ab 220 € zu haben.
Die Freude ist riesig und um das alles gebührend zu feiern, werde ich heute ganz viele von den Keksen essen, die ich gestern mit Julia gebacken habe.