wird endlich gut. Ich bin in Bergen, habe mein Zimmer bezogen und auch einen funktionierenden Internetzugang. Weil ich am Tag meiner Ankunft ja nicht posten konnte und ich gestern irgendwann keine Lust mehr hatte, mich mit den Fotos rumzuschlagen, liefere ich erstmal den Eintrag nach.
Natürlich bin ich heute viel zu früh in Begleitung der drei Fintelerinnen (Drei Engel für Mathias) in Hamburg angekommen. 75% des Lufthansabodenpersonals war sehr freundlich zu mir und half mir gerne weiter. Das Aufgeben des Gepäcks war kein Problem – 19,6 Kilo die geradezu meisterhaft von Julia in den Koffer gezwängt worden waren. Die Handgepäckkontrolle winkte mich erstmal raus, weil ich natürlich vergessen hatte, meinen Gürtel abzunehmen. Der Flug verlief ebenfalls reibungslos. Die Lufthansaleute machen leckere Brötchen, die es mit einem angenehm heißen Kaffee gibt. Der Anblick des immer noch im Dunkeln liegenden Hamburgs war atemberaubend und ich könnte mich dafür ohrfeigen, dass ich die Kamera oben in meinem Rucksack hatte und keine Fotos machen konnte. Als wir dann in den Landeanflug gingen erstreckte sich das verschneite Oslo unter mir. Wahrscheinlich lebt hier in der Nähe der Weihnachtsmann. Von irgendwas muss der ja auch leben, ich glaube kaum, dass ein Tag Arbeit im Jahr ausreichen um über die Runden zu kommen. Wegen der notwendigen Enteisung unseres Flugzeugs hoben wir später ab (ca. 10 Minuten) machten aber später wieder Zeit gut, so dass wir mit nur 5 Minuten Verspätung landeten.
In Oslo waren 100% des Bodenpersonals sehr hilfsbereit (Tja, unfreundliche Lufthansa-Check-In-Frau, das tut weh wenn man das hört, oder? Du hast den Schnitt versaut!). Diesmal ging ich schon routinierter an die Handgepäckkontrolle und legte alle meine am Leib getragene Habe, bis auf die Sachen die ich trug, in die 3 unterschiedlichfarbigen Kästchen (als einziger in der Reihe wie mir danach auffiel, aber Ordnung muss sein). Meine Bemühungen waren erfolgreich, man ließ mich ohne Probleme passieren.
So sitze ich nun hier an Gate 19, es ist halb 10 ich und warte auf das Boarding von SK259. Laut Anzeige ist es im Moment in Bergen -5°C kalt und es schneit. Diesmal habe ich leider einen Gangplatz, was wiederum das Nachholen von spektakulären Luftaufnahmen verhindern wird. Ich hoffe, dass ich für den Rückflug Fensterplätze bekomme und ich so wenigstens einige Schnappschüsse aus der Höhe machen kann.
Leider habe ich hier am Flughafen kein Internet, weswegen dieser Eintrag erst in Bergen online gehen wird. Dann werde ich einen Vergleich zwischen Soll (-5°C, Schnee) und Ist anstellen.
Was für ein Tag! Es ist jetzt 22:30 und ich bin vollkommen fertig. Mein Flug nach Bergen verlief problemlos und ich konnte trotz Gangplatz die wunderschöne Kulisse bewundern. Bergplateaus, die die Wolkendecke durchbrechen, haben schon was. Nach dem Landen ging es dann mit einem der ‘Flybussen’ zur zentralen Busstation im Herzen der Stadt. Dort angekommen begab ich mich zum Informationsstand, der extra für internationale Studenten aufgebaut wurde. Dort teilte man mir mit, dass ich zum Student-irgendwas-dazwischen-Centre gehen müsste, um dort meine Schlüssel zu erhalten und den Mietvertrag zu unterschreiben. Die nette Studentin die mir das erzählte riet mir auf Grund des Schnees, meine Sachen im Busbahnhof einzuschließen. Als ich jedoch sah, dass der ganze Spaß 50 Kronen kosten sollte, entschied ich mich dagegen. Als ich die Busstation verließ, wurde mir bald klar, warum Bergen Bergen heißt. Wahrscheinlich haben die Einwohner damals zwischen ‘Boah-scheiße-hier-gehts-dauernd-auf-und-ab-und-es-ist-super-anstrengend-was-zu-tragen-besonders-wenn-es-verschneit-ist’ und ‘Bergen’ geschwankt
und sich dann aus Tourismusgründen für das letztere entschieden. Die Norweger und die Deutschen scheinen sich doch relativ ähnlich zu sein, jedenfalls musste ich eine Nummer ziehen und warten bis ich aufgerufen wurde, um im Student-irgendwas-dazwischen-Centre bedient zu werden. Der Mann der mich bediente war sehr freundlich. Er händigte mir meine Schlüssel, die Waschkarte sowie den Mietvertrag aus und erklärte mir das weitere Prozedere. Es war also an der Zeit, sich wieder auf den Rückweg zur Busstation zu machen. Zu diesem Zeitpunkt brachten meine Arme mich fast um. Es war nicht nur die Steigung, die permanent überwunden werden musste, sondern auch die Tatsache, dass die Gehwege so gut wie gar nicht geräumt waren, was dazu führte, dass ich den Koffer 75% der Zeit nicht hinter mir herziehen konnte, sondern tragen musste (Beweise in Bildform folgen, sobald meine Kamera wieder Saft hat und ich in der Nähe bin). Mit 25 cm längeren Armen kam ich also zum zweiten Mal an der Busstation an.
Mein nächstes Ziel war das Kaufen einer Studentenmonatskarte. Auch hier gab es das Nummer-zieh-und-Warten-Prinzip. Eine riesige Menschentraube hatte sich schon vor den 4 offenen Schaltern gebildet und ließ mich Böses ahnen. Ich zog meine Nummer und ergatterte die 598. Im Moment des Ziehens wurde die 523 bedient. 75 Leute vor mir… das schien etwas länger zu dauern. Insgesamt verbrachte ich eine gute Stunde damit, auf die Karte zu warten, die es mir erlaubt, alle Busse in Bergen zu nutzen.
Ich fuhr nach Fantoft, meinem Zuhause für 3 Monate. Als ich ankam (inzwischen war es ungefähr 15:30) musste ich erstmal wieder meinen Koffer einen Berg hoch- und dann bis zur Tür des C-Blocks schleppen, weil der Schnee nicht geräumt worden war. Als ich den Flur betrat bestätigte sich ein Verdacht: Fantoft ist von innen genauso hübsch wie von außen. Ich blickte nach links auf den Fahrstuhl, der keine Etage anzeigte und befürchtete das Schlimmste. Ich drückte den Knopf… nichts tat sich… ich drückte nochmal… kein Ergebnis. In diesem Moment betrat ein norwegischer Student den C-Block. Er sagte mir, dass der Fahrstuhl schon länger außer Betrieb sei, es aber am Ende des Ganges, also auf der anderen Seite des Gebäudes noch einen weiteren, intakten Fahrstuhl gäbe. Also hatte ich Glück und musste also doch nicht die Koffer in den 7. Stock hinaufhieven.
Mein Zimmer macht zwar einen etwas abgelebten Eindruck, ist sonst aber vollkommen in Ordnung. Ich habe mein eigenes kleines Bad mit Dusche, ein Bett mit dicker Matratze (keine Selbstverständlichkeit, wie sich im Gespräch mit anderen Studenten zeigte), zwei große Schränke, einen großen Schreibtisch, einen Abenteuerstuhl (Deswegen Abenteuer, weil er immer ganz doll wackelt, wenn man, oder besser gesagt ich, darauf sitzt und versucht durchzubrechen, was man nur geschickte Gewichtsverlagerung verhindern kann. Ein toller Spaß für die ganze übergewichtige Familie.), einen Sessel den ich noch nicht ausprobiert habe, eine Bank die sich zum Besucherbett ausziehen lässt, und natürlich mein Bett. Ich räumte erst einmal meinen Koffer und den Rucksack aus, um an meine Schneestiefel zu kommen. Die Winterstiefel die ich trug waren schon vollkommen aufgeweicht. Ich deponierte meine Medikamente im Kühlschrank und versah sie mit einem Zettel, der Auskunft darüber gibt, wem sie gehören, dass sie keine berauschende Wirkung haben und sie bitte niemand klauen soll. Ich klopfte einmal überall um mich vorzustellen, traf jedoch nur eine Mitbewohnerin an: Camilla. Ich unterhielt mir kurz mit ihr und wollte mich dann auf den Weg zum IKEA machen, um mir ein Kissen, eine Decke und vielleicht ein paar Köttbullar zu kaufen. Noch auf meiner Etage traf ich zwei weitere internationale Studentinnen, die auch gerade erst heute angekommen sind. Zusammen fuhren wir in die Stadt, wo sich unsere Wege trennten, weil die beiden noch etwas wegen ihrer Zimmer klären wollten.
An dieser Stelle möchte ich ein Wort über das Bergener Bussystem verlieren. Die Bergener Busstationen haben Namen, die jedoch von außen nicht zu erkennen sind, sondern nur auf den winzig kleinen Busfahrplänen stehen. Weiterhin werden die Stationen nicht vom Busfahrer o.Ä. angesagt, was bedeutet, dass ich jedes Mal, wenn ich irgendwo hin wollte, den Busfahrer bitten musste, mir Bescheid zu geben, wenn wir da waren. Ein tolles System, so haben die Leute wenigstens immer einen Grund miteinander zu reden.
Im IKEA musste ich feststellen, dass die exorbitanten Preisunterschiede von Norwegen zu Deutschland auch vor den Köttbullarn nicht halt machten, die in der Mediumversion 69,- Kronen kosteten, was umgerechnet ca.8 € sind. Bei meiner Tour durch den IKEA traf ich noch 2 weitere deutsche Austauschstudenten, die aber nicht an der Universität Bergen zu Gast sind, sondern an der Bergener Wirtschaftshochschule. Nachdem ich mir GOSA VÄDD und MYSA STRA gekauft hatte ging es zurück nach Fantoft. Dort kaufte ich noch kurz das Nötigste im nahe gelegenen SAFARI-Supermarket ein (Brot, Käse, Margarine) und ging zurück auf meine Etage. Hier traf ich nun eine weitere Mitbewohnerin: Marlene, die ebenfalls aus Deutschland kommt.
Nachdem ich meine Sachen ordentlich ausgeräumt und das Bett bezogen hatte, setzte ich mich in die Küche, aß (die letzte Mahlzeit war immerhin schon über 12 Stunden her) und plauderte noch ein wenig mit Marlene, meiner Mitbewohnerin, die Psychologie in Bielefeld studiert.
Das war er also, mein erster Tag in Bergen. Anstrengend, aber verwirrend könnte man ihn nennen. Wahrscheinlich habe ich morgen Muskelkater in meinen Armen, aber dafür muss ich nur noch Kleinigkeiten einkaufen und kann den restlichen Tag die Stadt erkunden. Internet wird es leider erst übermorgen geben, was logischerweise auch bedeutet, dass dieser Eintrag erst übermorgen online gehen kann, datiert ihn im Kopf einfach zurück und schon ist das Problem gelöst. Jetzt werde ich erstmal lange schlafen.